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Heimatjahrbuch 2018

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Maria Madenbergs Kolumne

Ich bewundere Menschen, die mutig sind. Sie haben so eine Unerschrocken-heit an sich - das beeindruckt mich. Sie haben eine Idee im Kopf und tun sie dann einfach. Egal, was da kommt - sie ziehen dann "ihr Ding" durch. Hör auf dich selbst! Egal, was andere sagen! Sieh nur auf dich selbst! Und ähnliche gebetsmühlenartige Um-, bzw. Anerziehungs-Sprüche sind virulent. Da ist kein Platz mehr für wenigstens ein Quäntchen Rücksichtnahme. Ort und Situation spielen keine Rolle. Am Mackenbacher Kreisel, an der Supermarkt-Kasse in Landstuhl, an der Fußgängerampel in Enkenbach - Freundlichkeit wird als Schwäche ausgelegt. Ein Auto-Corso mit flatternden weißen Hochzeitsbändchen kommt mir entgegen, will vor mir die Straße kreuzend abbiegen, ich halte an und lasse die ausgelassen hupende Kolonne passieren. Hinter mir hupt es plötzlich auch: Wild gestikulierend eine vielleicht Mittdreißigerin in ihrem Cabrio bedeutet mir, ich solle weiterfahren, mein Vorfahrtsrecht ausnutzen...

Einer geht, einer kommt

 

Zur letzten Kreistagssitzung seiner Amtszeit hat Landrat Paul Junker ins Haus des Bürgers nach Ramstein-Miesenbach geladen. Dieser Einladung zur öffentlichen Sitzung waren nicht nur die Kreistagsmitglieder gefolgt, sondern auch zahlreiche Bürger sowie Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Sport. Mit launigen Worten eröffnete Kreisbeigeordneter Peter Schmidt die auch so angekündigte "Feierliche Kreistagssitzung" und fragte heiter aber protokollgerecht in den Saal, ob Änderungen der lediglich einen Punkt umfassenden Tagesordnungsliste gewünscht wären. Schmidt übernahm die Aufgabe, die Vertreter des öffentlichen Lebens zu begrüßen. Darunter befanden sich Orts- und Verbandsbürgermeister des Landkreises Kaiserslautern, Landräte benachbarter Kreise, der Oberbürgermeister und Beigeordnete der Stadt Kaiserslautern, Vertreter der Partnerlandkreise Olesno (Polen) und Rapla (Estland), Vertreter der hier stationierten NATO- und US-Streitkräfte, von Banken und Sparkassen, der TU und der Hochschule Kaiserslautern sowie der Schulen, der Polizei und Justiz, der Landesforsten und der Reichswaldgenossenschaft, der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer, der regionalen Energieversorger, des Landesbetriebs Mobilität, der ZAK-Zentrale Abfallwirtschaft Kaiserslautern und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Begrüßen konnte Schmidt auch viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung und Bürger. Die Spielgemeinschaft Hütschenhausen sorgte für einen angemessenen musikalischen Rahmen.

"Wehmut und zugleich Freude" beschleiche sie an diesem Tage, sagte Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt in ihrer Verabschiedungsrede. Wehmut, weil sie einen Freund verabschiede und Freude, da der politische Staffelstab an Ralf Leßmeister weitergegeben werde. Sie riss kurz Junkers Lebenslauf an und vermerkte "seine Liebe zur Heimat", die sich in seiner Bodenständigkeit, Geradlinigkeit und Verlässlichkeit ausdrücke. Geboren und aufgewachsen in Hütschenhausen, legte Junker sein Abitur in Landstuhl ab, absolvierte den Militärdienst in Zweibrücken, studierte an der EWH Landau Lehramt und war fast 20 Jahre lang Lehrer für lernbehinderte Schüler in Kusel. Seit 1974 war er ehrenamtlich politisch aktiv, als Ratsmitglied und später als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde, bevor er hauptamtlich Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach und 2009 in Urwahl zum Landrat bestimmt wurde. Mit Wehmut verabschiede sie ihren "Weggefährten seit Ende der 70er Jahre", sagte Heß-Schmidt und drückte ihren persönlichen Dank aus "für gegenseitigen Respekt, Vertrauen, Freundschaft, Transparenz und Loyalität". Junker "kennt den Kreis wie seine Jackentasche". Er habe es mit seinem "offenen und transparenten Führungsstil" verstanden, die Menschen mitzunehmen "auf diesem Staffellauf" einer Kreisentwicklung, so Heß-Schmidt und zählte einige Meilensteine der politischen Aufgaben wie Entschuldungsfonds, Abfallwirtschaft oder Kreishaussanierung auf. Junker habe sich immer als "primus inter pares" gesehen, der als Erster unter Gleichen auf Augenhöhe agierte und feinfühlig und sich mit menschlichem Gespür auf jeden Einzelnen einließ. Nicht unerwähnt ließ sie Junkers Leidenschaften für Sport wie Radfahren und Badminton sowie mit heiter-gelöstem Augenzwinkern seine Vorliebe für Butterbrezeln und Schokolade.

Im Rahmen der Feier überreichte der Feuerwehr-Landesverband Rheinland-Pfalz die höchste Auszeichnung, die Deutsche Feuerwehr-Ehrenmedaille, an Junker, der diese Ehrung mit sichtlichem Stolz annahm. Die Feuerwehr sei die "größte, schönste und beste Bürgerinitiative des Landes" dankte Junker für die Auszeichnung.

Seine Amtszeit sei "vielfältig, abwechslungsreich und spannend" gewesen, resümierte Junker. Und schloss ein Lob an die Kandidaten für die Wahl seines Nachfolgers an, denn der Wahlkampf sei "zwar intensiv aber äußerst fair" verlaufen, wodurch die Kandidaten dem "Ansehen der Politik Pluspunkte verliehen" und der kommunalen Selbstverwaltung "einen großen Dienst erwiesen" haben. "Niemand kann alleine etwas bewegen", rief Junker aus und hob mehrfach hervor: "Auf den Menschen kommt es an." Er danke daher für die ihm entgegengebrachte "Kollegialität, Vertrauen, Freundschaft" und sagte an seine Weggefährten und Mitarbeiter gewandt: "Sie haben unseren Landkreis und damit die Welt ein Stückchen besser gemacht!" Die Zusammenarbeit, von Wertschätzung und Zuverlässigkeit geprägt, habe ihm "durchweg Freude gemacht", sagte er und nannte viele Mitarbeiter und Mitstreiter namentlich. Das habe ihm "Kraft gegeben, anzupacken". Er erinnerte an viele konstruktive Diskussionen im Kreistag, die "nur selten unter die Gürtellinie gingen." Sie halfen sich bewusst zu machen, welchem Auftrag und zu welchem Zweck - nämlich von Bürgern für Bürger - die oft mit sehr breiter Mehrheit gefassten Beschlüsse dienen müssen. In seiner 33 Jahre währenden Mitgliedschaft in diesem Gremium habe es "natürlich auch Turbulenzen" gegeben, von denen er aber "vielleicht irgendwann später in meinen Memoiren erzählen will", meinte er verschmitzt.

Die 43 Jahre seiner politischen Arbeit fühlten sich für ihn "wie zwölf, höchstens 15 Jahre an", sagte Junker rückblickend. Er erinnere sich noch, dass er als 27-Jähriger damals jüngster Bürgermeister im Land gewesen war. Jetzt sei er der drittälteste Landrat; in seiner dritten Lebensabschnittsphase sei er aber wieder der jüngste, zumindest für kurze Zeit, erheiterte er die Anwesenden. "Meine Zukunft ist die Gegenwart", schloss er seine Rede und blickte mit Vorfreude auf seine Gartenbau-Vorhaben und auf das "stille Genießen beim Zuschauen, wie die Enkel spielen". Die Kreisverwaltungsmitarbeiter schenkten ihm zum Abschied einen nicht ganz ernst gemeinten VHS-Kurs zum "Shopping-Begleiter", der ihm helfen möge, sich im Alltag zurechtzufinden.

Ehrlichen Respekt vor einer großen Lebensleistung drückte Kreistagsmitglied Peter Degenhardt im Namen aller Kreistagsmitglieder und -fraktionen aus. Junker sei ein "Kümmerer, ein unermüdlicher Arbeiter, hartnäckig wie ein Terrier auch in Details. Er war und ist blendend informiert, fleißig, kundig, kompetent" - so sehr, dass man "mit Ehrfurcht oder Grausen" an die Schaubilder zurückdenke, mit denen Junker komplexe Sachverhalte den Kreistagsmitgliedern zu erklären suchte. Degenhardt sprach nur einige der wichtigsten Leistungen an, wie den "Kampf gegen die ewige Todesspirale der Kreisumlage" oder die Gerichtsklagen wegen besserer Finanzausstattung. Den französischen Philosophen Michel de Montaigne zitierend versicherte er, Junker werde in "wärmerer Erinnerung bleiben". Der Kreistag werde auch künftig selbstbewusst, engagiert und konstruktiv im Interesse des Landkreises verfahren, fügte Degenhardt an und zog einen Vergleich zu altrömischen politischen Gremien. Zwar hatte man dort die Aufgabe, den Lorbeerkranz als Erfolgssymbol zu halten, aber eben auch ein "memento mori" zu verkünden. Es gelte, auch in "Momenten des größten Triumphes an schwierige Zeiten und Entscheidungen zu denken".

Der neue Landrat Ralf Leßmeister ging in seiner Rede auf die "Meilensteine von essentieller Bedeutung" ein, die als Aufgaben vor ihm liegen. Dazu gehören der Ausbau der Breitbandversorgung, die Fusionsgespräche der Sparkassen und die Verwaltungsreform. Er trete an, die Lebensqualität im Kreis zu erhalten und zu verbessern. Er sei sich seiner Verantwortung bewusst, setze sich mit ganzer Kraft und Können ein und werde ein "Landrat für alle" sein. Er wisse das Vertrauen, dass die Wähler in ihn gesetzt haben, zu schätzen: "Das bedeutet mir wirklich viel!" Leßmeister erwarte eine offene und zielorientierte Zusammenarbeit, denn "lebhafte, faire, sachliche Debatten tun der Sache gut und setzen neue Impulse". Im Fokus müsse immer stehen: "Es geht um unseren Landkreis." Eine bürgernahe Kommune drücke sich auch durch Bürgerbeteiligung aus und dafür brauche es Transparenz. "Bürgerbeteiligung ist heute unverzichtbar, denn Entscheidungen müssen mitgetragen werden", sagte Leßmeister und gab als Motto aus: "Nur gemeinsam!"